Jahrgang 2018
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„Wir bieten eine Alternative zu Konsolen und Co.”
In der Kaiserstraße tut sich etwas. Das altehrwürdige Haus der KSJ (Katholische Studierende Jugend) wird gerade wieder auf Vordermann gebracht, damit die vielen kommenden Veranstaltungen unter optimalen Rahmenbedingungen stattfinden können. Die Brühler Stadtgruppe der KSJ wird u.a. von Yannick Schäfer und seinen Mitstreitern Jan Hommelsheim und Marius Wildeshaus geleitet. Der Brühler Bilderbogen hat die drei jungen Macher besucht.

Das 1951 erbaute fünfeckige Haus an der Ecke Römerstraße/Kaiserstraße kennt fast jeder in Brühl. Irgendwann einmal in seiner Jugend hat man dort in dem wie ein Zelt gebautem Haus einmal eine Fete gefeiert und ein paar schöne Stunden verbracht. Viele kamen auch regelmäßig, um die vielen Freizeitangebote zu nutzen, die es dort im früheren ND- und heutigem KSJ-Haus mit seinem großen Grundstück seit Jahrzehnten gibt.

Auch Yannick Schäfer (20), Jan Hommelsheim (20) und Marius Wildeshaus (27) verbinden schöne Jugenderinnerungen mit dem Haus. Jetzt als junge Erwachsene sind sie der KSJ weiterhin verbunden geblieben. „Jugend leitet Jugend” ist das Motto bei den Freizeitangeboten der KSJ. An jedem Donnerstag werden auf der Anlage von 16:30 Uhr bis 18 Uhr in der Gruppenstunde Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren betreut. „Wir lassen den Schulstress hinter uns und werden zusammen kreativ, sportlich, chillig und verrückt”, berichtet Yannick Schäfer, der zusammen mit Jule Jonsson und Verena Vanderbrück zu den LeiterInnen des Jugendverbands zählt.
„Wir denken uns spontan ein Programm aus oder nehmen Anregungen aus der Whatsapp-Gruppe auf”, ergänzt der Student (Biologie). Entweder bedienen sich die Kinder und ihre Leiter aus dem großen Sortiment an Gesellschaftsspielen. Oder es wird sich draußen beim Fußball oder Volleyball ausgetobt oder in der gemütlichen Sitzecke gechillt. Möglich ist auch ein Tischfußballturnier. Alternativ und je nach Anlass werden auch schon mal Kekse gebacken oder Ostereier bemalt. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Ehrenamtliche BetreuerInnen
„Wir bieten eine Alternative zu Konsolen und Co. mit Kinderpartys, Gruppenstunden und Ferienfahrten. Die Betreuer sind geschult und machen das ganze ehrenamtlich”, sagt Jan. Er kümmert sich vor allem um organisatorische Dinge und packt auch mit an, wenn der Garten des Hauses für den Sommer fit gemacht wird. Denn viele Sachen müssen in Eigenregie erledigt werden, die finanzielle Unterstützung für einen eigenen Gärtner ist beispielsweise nicht vorgesehen. Das ist auch gut so, lernen doch alle Beteiligten so mit den vorhandenen Ressourcen auszukommen und bei notwendigen Renovierungsarbeiten kreativ zu sein und selbst anzupacken.

Dieses Miteinander hat die KSJ-Angebote schon immer ausgezeichnet. Das schätzen die Macher auch heute. Jan, der eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, und Yannick kennen sich aus der Schule. Sie haben vor zwei Jahren am St.-Ursula-Gymnasium ihr Abitur bestanden. Marius ist am längsten dabei. Er ist gelernter Koch, studiert aber derzeit Catering und Hospitality Service. Er wirkt im Hintergrund in der Küche und ist auch gerade dabei, sein Wissen zu verschriftlichen, damit künftige Generationen Anhaltspunkte haben, wie größere Gruppen verpflegt werden können. Seine Kochkünste sind bei den Aktivitäten immer sehr gefragt, besonders bei Fahrten oder dem großen Sommerferienspaß, der in diesem Jahr in der zweiten und dritten Fereinwoche zwischen dem 23. Juli und 3. August bereits zum zwölften Mal veranstaltet wird.

„Wir starten wie immer mit einem erstklassigen Ferienprogramm in den Sommer”, freut sich Marius. „Neue Leute kennenlernen, mit Freunden den Tag verbringen, dazu super Spiel- und Kreativangebote in und rund um Brühl. Wir haben uns wie gewohnt tolle, neue Sachen überlegt, wir machen mitreißende Sportturniere und unternehmen gemeinsame Ausflüge.” Der Spaß steht im Vordergrund, bei einigen Spielen sollen die Kinder aber auch über die Moral dahinter nachdenken und im Idealfall etwas lernen. Obendrein gibt es auch ein warmes Mittagessen für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Gutangelegte Investition
Die Veranstaltung wird von ausgebildeten, ehrenamtlichen GruppenleiterInnen sowie pädagogischen Fachkräften geleitet. Umsonst ist das Angebot nicht. Aber die 129 Euro für Mitglieder oder 149 Euro für Nichtmitglieder sind seitens der Eltern eine gutangelegte Investition in den Ferienspaß ihrer Kinder. Anmeldeschluss ist der 1. Juni unter Tel. 0221 / 410508 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Yannick, Marius und Jan haben selbst von den KSJ-Angeboten enorm profitiert und sich auch weiterentwickelt. Erst haben die drei als Jugendliche mitgemacht, heute übernehmen sie Verantwortung. „Man lernt viel dabei”, sagt Marius. „Etwa frei zu reden vor vielen Menschen, man kann sich ausprobieren und bringt den Heranwachsenden etwas bei.” Ganz wichtig bei der Betreuer-Ausbildung ist auch das Thema Prävention, das allerdings etwas Anderes meint, als man vielleicht im ersten Moment vermuten würde.

„Bei der Präventivschulung lernt man, wie man sich pädagogisch richtig verhält”, erklärt Yannick. Gerade in Zeiten immer wieder publik werdender Missbrauchsskandale innerhalb der Katholischen Kirche müssen sich alle Beteiligten schützen. Eine Regel besagt, dass sie die Kinder immer zu zweit betreuen, um eventuellen Anschuldigungen vorbeugen zu können. Dass alle Betreuer ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen, ist auch selbstverständlich.

Die Reihe Politissimo ist sehr beliebt
Die Betreuer und Pädagogen fahren auch selbst an Pfingsten weg. Die „LeiterInnenfahrt” geht für vier Tage in das KSJ-Selbstversorgungshaus, dem Alten Bahnhof in Mülheim bei Blankenheim. Dort stehen neben einigen Freizeitaktivitäten auch Fragen des Teambuildings, der Gruppendynamik, der Gemeinschaft und des Ehrenamts auf dem Programm. „Das Ziel ist die Stärkung der eigenen Selbstwahrnehmung und die Verortung in der Gruppe”, sagt Yannick.

Bis zum Jahresende gibt es viele weitere Highlights. Regelmäßig finden Aktionstage für Kinder statt – der nächste ist am 30. Juni von 11 bis 17 Uhr. Im Herbst geht es wieder für eine Woche mit dem Ziel Blankenheim auf Reisen. Danach steigt am 31. Oktober die Halloweenparty. Sehr interessant ist auch die Reihe „Politissimo – Politik am Grill”. Am 30. Juni stellen sich Lokalpolitiker mehrerer Parteien an den Grill und dabei auch den Fragen der Jugendlichen. Das Motto lautet: „Jugend kann Politik - aber kann Politik auch Jugend?”

„Dabei kommen gute Diskussionen zustande”, findet Jan. Es wurde schon über das Wahlrecht unter 18 diskutiert oder über die Frage, was eine Ausbildung noch wert sei. Danach wird es launig. Die Jugendlichen stimmen darüber ab, welcher Politiker am besten argumentiert und welcher am besten gegrillt hat. So schnell bekommen Politiker selten Feedback. Auch das ist eine Besonderheit der KSJ.        

Tobias Gonscherowski